Digitalisierung zwischen Theorie, beruflicher Praxis und KI

Für mich bedeutet Digitalisierung deutlich mehr als die Umwandlung analoger Informationen in digitale Daten oder die Einführung neuer Software. Aus meiner beruflichen Erfahrung in der Softwareentwicklung und heute insbesondere in der Softwarearchitektur verstehe ich Digitalisierung als einen fortlaufenden Veränderungsprozess, bei dem digitale Technologien Prozesse, Informationsflüsse, Zusammenarbeit, Entscheidungen und teilweise ganze Geschäftsmodelle verändern.
Mein persönliches Verständnis von Digitalisierung
Mein Verständnis von Digitalisierung ist stark durch meine eigene berufliche Entwicklung geprägt. Ich arbeite seit vielen Jahren in der Softwareentwicklung und habe dadurch verschiedene Entwicklungsstufen der Digitalisierung unmittelbar miterlebt und teilweise selbst mitgestaltet.
In einer früheren beruflichen Phase entwickelte und betreute ich über mehrere Jahre Unternehmenssoftware, mit der zentrale betriebliche Abläufe digital abgebildet wurden. Dazu gehörten unter anderem ERP-Funktionen, Auftrags- und Stammdatenverwaltung, Lager- und Inventarisierungsprozesse sowie Schnittstellen zu anderen Systemen. Parallel dazu war ich auch mit Software für industrielle Anlagen und Automaten beschäftigt.
Gerade in solchen Projekten wurde für mich früh sichtbar, dass Digitalisierung nicht einfach bedeutet, einen bestehenden Papierprozess auf einem Bildschirm nachzubauen. Der eigentliche Nutzen entsteht dann, wenn Informationen nicht mehr mehrfach erfasst werden müssen, wenn Prozesse miteinander verbunden werden, wenn Maschinen und Unternehmenssoftware Daten austauschen und wenn Entscheidungen auf einer konsistenten Datenbasis getroffen werden können.
Ein einfaches Beispiel wäre ein Lagerprozess. Eine rein technische Digitalisierung könnte bedeuten, dass eine handschriftliche Liste durch eine digitale Maske ersetzt wird. Eine weitergehende Digitalisierung entsteht jedoch erst dann, wenn Lagerbewegungen automatisch erfasst werden, Bestände in Echtzeit aktualisiert werden, Aufträge mit der Warenwirtschaft verbunden sind und andere Systeme direkt auf dieselben Informationen zugreifen können.
Mit zunehmender Berufserfahrung verlagerte sich mein Tätigkeitsfeld von der Entwicklung einzelner Funktionen stärker in Richtung Architektur, Integration und technische Strategie. Themen wie APIs, Schnittstellen, Cloud-Dienste, Kollaborationsplattformen, zentrale Identitäten, verteilte Systeme und die langfristige Wartbarkeit von Software wurden immer wichtiger.
Damit änderte sich auch meine Sicht auf Digitalisierung. Ein einzelnes digitales System erzeugt nur begrenzten Nutzen, wenn Informationen anschliessend wieder manuell zwischen verschiedenen Anwendungen übertragen werden müssen. Der grössere Nutzen entsteht häufig erst durch durchgängige Informationsflüsse und die Vernetzung mehrerer Systeme.
Auch die Arbeitswelt selbst hat sich dadurch verändert. Dokumente, Kommunikation, Entwicklungsumgebungen und Informationen sind heute wesentlich weniger an einen bestimmten physischen Arbeitsplatz gebunden. Kollaboration findet über digitale Plattformen statt, Entwicklungsteams können verteilt arbeiten und Entscheidungen werden zunehmend auf Basis gemeinsam verfügbarer Daten getroffen.
In meiner heutigen Tätigkeit als Softwarearchitekt beschäftige ich mich deshalb weniger nur mit der Frage, wie eine bestimmte Funktion programmiert wird. Viel wichtiger sind Fragen wie: Welche Technologien passen langfristig zu einem Unternehmen? Welche Standards brauchen Entwicklungsteams? Wie stark sollen Systeme gekoppelt oder entkoppelt sein? Welche Technologien bringen tatsächlich einen Mehrwert und welche erzeugen nur zusätzliche Komplexität?
Digitalisierung wird damit aus meiner Sicht zwangsläufig auch zu einer Führungs- und Organisationsfrage. Technisch wäre heute sehr vieles möglich. Das bedeutet aber nicht, dass jede neue Technologie automatisch sinnvoll ist. Unternehmen müssen in der Lage sein, technologische Entwicklungen zu beurteilen, Prioritäten zu setzen und Veränderungen tatsächlich umzusetzen.
Künstliche Intelligenz als aktuelles Beispiel
Besonders stark erlebe ich diesen Wandel aktuell bei künstlicher Intelligenz. Ich beschäftige mich intensiv mit generativer KI und insbesondere mit lokal betriebenen Large Language Models.
Dabei betreibe und vergleiche ich unterschiedliche Modelle auf eigener Hardware und untersuche, wie gut diese Systeme unter realen Bedingungen funktionieren. Mich interessiert weniger die reine Demonstration einer KI-Funktion, sondern die Frage, ob solche Systeme tatsächlich produktiv eingesetzt werden können.
Ich habe lokale Modelle beispielsweise für Codeanalyse, Refactoring, das Erstellen mehrerer zusammenhängender Dateien, automatisierte Tests und komplexere Entwicklungsaufgaben eingesetzt. Dabei spielen technische Faktoren wie Modellgrösse, Kontextfenster, Tool-Unterstützung, Geschwindigkeit und verfügbare Hardware eine erhebliche Rolle.
Diese Experimente haben mein Verständnis von Digitalisierung stark geprägt. Ein KI-Modell kann bei einer Aufgabe beeindruckende Ergebnisse liefern und bei einer anderen Aufgabe bereits an grundlegenden Zusammenhängen scheitern. Teilweise entsteht syntaktisch korrekter Code, der die eigentliche Architektur oder Aufgabenstellung trotzdem nicht richtig berücksichtigt.
Genau hier zeigt sich für mich ein wichtiger Punkt: Eine Technologie einzusetzen bedeutet noch nicht automatisch, einen sinnvollen Digitalisierungsschritt gemacht zu haben.
Die Einführung eines KI-Werkzeugs allein verbessert noch keinen Entwicklungsprozess. Es braucht geeignete Aufgabenstellungen, klare Rahmenbedingungen, technische Kompetenz, geeignete Tests und vor allem Menschen, die die Ergebnisse beurteilen können.
Gleichzeitig verändert KI bereits heute meine Vorstellung davon, welche Fähigkeiten in der Softwareentwicklung künftig besonders wichtig sein werden. Wenn ein System Teile des Codes selbst erzeugen kann, verschiebt sich der Schwerpunkt teilweise weg vom reinen Schreiben einzelner Codezeilen hin zu Architektur, Spezifikation, Kontextbereitstellung, Testing, Review und Qualitätskontrolle.
Der Mensch verschwindet dadurch nicht aus dem Entwicklungsprozess. Seine Rolle verändert sich.
Genau darin sehe ich ein sehr konkretes Beispiel digitaler Transformation: Nicht nur das Werkzeug verändert sich, sondern auch die Tätigkeit des Menschen, der dieses Werkzeug verwendet.
Digitalisierung als kontinuierlicher Lernprozess
Ich beschäftige mich mit diesen Entwicklungen auch ausserhalb meines unmittelbaren Berufs. Auf meinem persönlichen technischen Blog dokumentiere ich Erfahrungen aus Softwarearchitektur, langlebiger Software, lokalen KI-Systemen und neuen Entwicklungswerkzeugen.
Dabei geht es mir häufig um die Differenz zwischen theoretischer Möglichkeit und praktischer Nutzbarkeit. Viele Technologien wirken in einer Demonstration beeindruckend. Erst im realen Einsatz zeigt sich jedoch, wie zuverlässig sie sind, welche Grenzen sie besitzen und welcher organisatorische Aufwand mit ihrer Einführung verbunden ist.
Dadurch hat sich für mich eine weitere Erkenntnis ergeben: Digitalisierung ist kein Zustand, den ein Unternehmen irgendwann erreicht hat.
Es gibt keinen Punkt, an dem ein Unternehmen sagen kann: Jetzt sind wir digital und damit ist das Thema abgeschlossen.
Neue Technologien verändern laufend die Möglichkeiten. Vor einigen Jahren standen beispielsweise Cloud-Dienste und mobile Zusammenarbeit stark im Vordergrund. Heute verändert generative KI bereits wieder die Arbeitsweise vieler Wissensberufe. Die nächste technologische Entwicklung wird wiederum neue Möglichkeiten und neue Herausforderungen mit sich bringen.
Digitalisierung bedeutet deshalb für mich auch kontinuierliches Lernen, Experimentieren und Anpassen.
Meine Definition
Aus diesen Erfahrungen ergibt sich für mich folgende Definition:
Digitalisierung bedeutet für mich, digitale Technologien nicht nur einzusetzen, sondern mit ihnen Prozesse, Informationsflüsse, Zusammenarbeit und Wertschöpfung weiterzuentwickeln oder grundsätzlich neu zu gestalten. Technologie schafft dabei neue Möglichkeiten. Ob daraus tatsächlich eine Verbesserung entsteht, hängt wesentlich von den Menschen, ihren Kompetenzen und ihrer Bereitschaft zur Veränderung ab.
Vergleich mit Kollmann (2022)
Kollmann betrachtet die digitale Transformation als einen fortlaufenden und tiefgreifenden Veränderungsprozess auf Basis digitaler Technologien. Dieser Prozess betrifft Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und verändert insbesondere Information, Kommunikation und Transaktion. Daraus entstehen neue Verhaltensweisen und neue wirtschaftliche Strukturen.
Diese Sichtweise deckt sich stark mit meinem eigenen Verständnis. Besonders wichtig finde ich bei Kollmann die Aussage, dass Digitalisierung nicht nur die technische IT-Landschaft betrifft. Die Auswirkungen reichen durch das gesamte Unternehmen.
Kollmann nennt mehrere Einflussfaktoren, die die Arbeitswelt verändern: Vernetzung, digitale Kommunikation, neue Arbeitsmittel und eine zunehmende Geschwindigkeit des Wandels. Digitale Technologien ermöglichen ortsunabhängiges Arbeiten und beschleunigen Informations- und Kommunikationsprozesse. Gleichzeitig steigt dadurch der Anpassungsdruck auf Unternehmen.
Für meine eigene berufliche Erfahrung ist besonders Kollmanns Unterscheidung zwischen digitalen Prozessen, digitalen Produkten und digitalen Plattformen hilfreich.
Digitale Prozesse betreffen die Digitalisierung und Automatisierung bestehender Geschäftsabläufe. Darin erkenne ich viele meiner früheren Erfahrungen mit ERP-Systemen, Schnittstellen und Prozessautomatisierung wieder.
Digitale Produkte entstehen, wenn bestehende Produkte durch digitale Komponenten erweitert werden oder vollständig neue digitale Leistungen entstehen.
Digitale Plattformen verbinden unterschiedliche Akteure und ermöglichen neue Formen von Austausch, Kooperation und Wertschöpfung.
Kollmann geht zudem davon aus, dass die Grenze zwischen realer und digitaler Wirtschaft zunehmend verschwindet. Diese Einschätzung halte ich aus meiner eigenen Erfahrung für sehr plausibel. Software ist heute in vielen Branchen kein zusätzliches Werkzeug mehr, sondern Bestandteil des eigentlichen Produkts oder Geschäftsmodells.
Ein industrielles Produkt kann beispielsweise durch Sensorik, Fernwartung, Datenanalyse oder Softwarefunktionen erweitert werden. Dadurch verändert sich nicht nur die technische Lösung, sondern auch das Geschäftsmodell.
Kollmann betont ausserdem den Wettbewerbsaspekt sehr stark. Unternehmen müssen digitale Entwicklungen aufnehmen, weil neue Wettbewerber bestehende Märkte verändern können. Digitalisierung ist deshalb nicht nur eine Möglichkeit zur Effizienzsteigerung, sondern kann zu einer Voraussetzung für langfristige Wettbewerbsfähigkeit werden.
Vergleich mit Plätzer und Kral (2025)
Plätzer und Kral setzen einen etwas anderen Schwerpunkt. Während Kollmann Digitalisierung stark aus wirtschaftlicher und strategischer Perspektive betrachtet, rücken Plätzer und Kral den Menschen stärker in den Mittelpunkt.
Sie beschreiben digitale Transformation ausdrücklich als mehr als den Einsatz neuer Technologien. Entscheidend sind die Fähigkeiten, Denkweisen und Werte der Menschen, die mit diesen Technologien arbeiten. Führungskräfte und Mitarbeitende müssen technologisch kompetent, lernbereit, anpassungsfähig und ethisch sensibilisiert sein.
Diese Perspektive deckt sich ebenfalls stark mit meiner eigenen Erfahrung.
Gerade meine Beschäftigung mit KI zeigt mir, dass technische Möglichkeiten allein wenig aussagen. Zwei Personen können dasselbe KI-System verwenden und völlig unterschiedliche Ergebnisse erzielen. Entscheidend sind unter anderem die Fähigkeit, geeignete Aufgaben zu formulieren, Ergebnisse kritisch zu prüfen und die Technologie sinnvoll in bestehende Prozesse einzubauen.
Plätzer und Kral betonen deshalb auch die Bedeutung eines digitalen Mindsets. Digitalisierung benötigt Offenheit gegenüber Veränderungen, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, bestehende Denkweisen zu hinterfragen.
Für mich ist dieser Punkt besonders relevant, weil sich gerade in der Informatik Wissen sehr schnell verändert. Ein bestimmtes Framework, eine Programmiersprache oder ein Werkzeug kann heute wichtig und in einigen Jahren bereits weniger relevant sein.
Nachhaltiger als reines Toolwissen ist deshalb die Fähigkeit, neue Technologien selbstständig zu verstehen, ihre Grenzen zu erkennen und sie sinnvoll einzusetzen.
Plätzer und Kral sehen ausserdem die Kompetenzentwicklung von Führungskräften und Mitarbeitenden als zentralen Erfolgsfaktor der digitalen Transformation. Technologieakzeptanz, Lernkultur und kontinuierliche Weiterentwicklung werden damit zu organisatorischen Aufgaben.
Auch das entspricht meiner Erfahrung. Technische Veränderungen können nicht einfach von einer IT-Abteilung eingeführt und anschliessend als abgeschlossen betrachtet werden. Menschen müssen verstehen, warum eine Veränderung stattfindet und welchen Nutzen sie hat.
Warum Digitalisierung heute wichtig ist
Digitalisierung ist heute wichtig, weil technologische Entwicklungen zunehmend bestimmen, wie Unternehmen arbeiten, wie Kunden Leistungen beziehen und wie Wettbewerb funktioniert.
Aus meiner Sicht gibt es dabei mehrere Ebenen.
Auf der operativen Ebene ermöglicht Digitalisierung effizientere Prozesse. Informationen können automatisch verarbeitet, Systeme miteinander verbunden und repetitive Aufgaben automatisiert werden.
Auf der strategischen Ebene entstehen neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle. Unternehmen können Daten als Grundlage neuer Leistungen verwenden oder digitale Plattformen aufbauen.
Auf der organisatorischen Ebene verändert Digitalisierung die Zusammenarbeit. Teams können ortsunabhängig arbeiten, Informationen schneller austauschen und über digitale Werkzeuge gemeinsam auf dieselben Daten zugreifen.
Auf der individuellen Ebene verändert sie Kompetenzen und Tätigkeiten. Mitarbeitende müssen zunehmend mit digitalen Werkzeugen umgehen können und bereit sein, ihre Arbeitsweise kontinuierlich anzupassen.
Kollmann beschreibt Information dabei sogar als eigenständigen Produktions- und Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die bessere Informationen besitzen und diese besser verarbeiten können, können daraus Wettbewerbsvorteile erzielen.
Gerade mit künstlicher Intelligenz gewinnt dieser Punkt nochmals an Bedeutung. Daten werden nicht nur gespeichert und ausgewertet, sondern können zunehmend als Grundlage automatisierter Entscheidungen, generierter Inhalte und intelligenter Assistenzsysteme dienen.
Bedeutung für Wirtschaft, Gesellschaft und Bildung
Wirtschaft
Für die Wirtschaft bedeutet Digitalisierung eine grundlegende Veränderung der Wertschöpfung.
Bestehende Prozesse werden automatisiert, Produkte erhalten digitale Komponenten und völlig neue Geschäftsmodelle entstehen. Unternehmen konkurrieren dadurch nicht mehr ausschliesslich über klassische Faktoren wie Preis und Qualität, sondern zunehmend auch über Daten, Geschwindigkeit, Vernetzung und digitale Services.
Kollmann beschreibt diese Entwicklung sehr deutlich. Digitale Technologien verändern bestehende Branchen und führen dazu, dass Unternehmen ihre Geschäftsmodelle laufend überprüfen müssen.
Gesellschaft
Auch gesellschaftlich ist Digitalisierung weitreichend.
Kommunikation, Mediennutzung, Informationszugang und soziale Interaktionen haben sich durch digitale Technologien stark verändert. Gleichzeitig entstehen neue Fragen zu Datenschutz, Kontrolle, algorithmischen Entscheidungen und Abhängigkeit von digitalen Plattformen.
Plätzer und Kral betonen deshalb, dass Digitalisierung menschenzentriert gestaltet werden sollte. Technologie soll dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Sie verbinden diese Perspektive mit dem Konzept des digitalen Humanismus.
Dieser Punkt ist gerade im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sehr relevant. Nur weil eine Entscheidung technisch automatisiert werden kann, bedeutet dies noch nicht, dass sie auch vollständig automatisiert werden sollte.
Bildung
Für die Bildung bedeutet Digitalisierung aus meiner Sicht vor allem, dass Lernen stärker zu einem kontinuierlichen Prozess wird.
Die Halbwertszeit bestimmter technischer Kenntnisse wird kürzer. Gleichzeitig steigt die Bedeutung der Fähigkeit, sich neues Wissen selbstständig anzueignen.
Plätzer und Kral betonen deshalb kontinuierliches Lernen und Kompetenzentwicklung als wesentliche Voraussetzungen für die digitale Transformation.
Gerade meine Beschäftigung mit KI bestätigt dies. Viele Werkzeuge, die heute meinen Arbeitsalltag beeinflussen, existierten in dieser Form vor wenigen Jahren noch nicht. Wer sich ausschliesslich auf einmal erworbenes Wissen verlässt, wird deshalb zunehmend Schwierigkeiten haben.
Was sagt die KI dazu?
Für diese Aufgabe habe ich ChatGPT mit GPT-5.6 Sol verwendet.
Ein verwendeter Prompt war:
„Definiere Digitalisierung aus Sicht eines Unternehmens. Erkläre, warum sie heute für Unternehmen wichtig ist, welche Auswirkungen sie auf Führung und Arbeitswelt hat und nenne praktische Beispiele. Berücksichtige zunächst keine spezifische Fachliteratur.“
Die Antwort der KI definierte Digitalisierung ebenfalls nicht nur als technische Umwandlung analoger Informationen, sondern als Veränderung von Prozessen, Produkten, Dienstleistungen und Zusammenarbeit durch digitale Technologien.
Als zentrale Aspekte wurden unter anderem Automatisierung, Vernetzung, datenbasierte Entscheidungen, neue Geschäftsmodelle, ortsunabhängige Zusammenarbeit, künstliche Intelligenz und kontinuierliches Lernen genannt.
In einem weiteren Schritt habe ich die KI mit meinen eigenen beruflichen Erfahrungen und den beiden Quellen konfrontiert und die Aussagen miteinander verglichen.
Vergleich meiner Ergebnisse mit der KI
Die Aussagen der KI deckten sich überraschend stark mit meinen eigenen Schlussfolgerungen und mit den beiden Quellen.
Ein grundsätzlicher Widerspruch bestand kaum.
Die KI betonte ähnlich wie Kollmann die Veränderung von Prozessen, Geschäftsmodellen, Datenverarbeitung und Wettbewerb.
Gleichzeitig erwähnte sie ähnlich wie Plätzer und Kral die Bedeutung von Kompetenzen, Lernbereitschaft und veränderten Arbeitsformen.
Die grösste Abweichung bestand deshalb weniger in den Aussagen selbst als in ihrer Gewichtung.
Die erste KI-Antwort war relativ allgemein. Begriffe wie Cloud, Automatisierung, KI, Daten und digitale Geschäftsmodelle wurden korrekt genannt, blieben aber zunächst auf einer abstrakten Ebene.
Kollmann liefert dazu eine wesentlich klarere wirtschaftliche Struktur. Seine Betrachtung über Prozesse, Produkte, Plattformen, Wertschöpfung und Wettbewerb ermöglicht es, Digitalisierung systematischer einzuordnen.
Plätzer und Kral ergänzen wiederum eine Perspektive, die in einer allgemeinen KI-Antwort weniger stark ausgeprägt war: die menschliche und kulturelle Dimension der Transformation.
Meine eigenen beruflichen Erfahrungen liegen gewissermassen zwischen diesen beiden Perspektiven.
Ich habe einerseits die technische und wirtschaftliche Seite erlebt: Automatisierung, ERP-Systeme, Schnittstellen, Systemintegration, Cloud-Technologien und heute künstliche Intelligenz.
Andererseits habe ich immer deutlicher erlebt, dass der Erfolg solcher Technologien vom Menschen abhängt. Neue Werkzeuge entfalten ihren Nutzen nur dann, wenn Mitarbeitende sie verstehen, akzeptieren, kritisch beurteilen und in ihre Arbeitsweise integrieren können.
Damit komme ich zu einem Ergebnis, das sich sowohl mit Kollmann als auch mit Plätzer und Kral weitgehend deckt:
Digitalisierung ist kein reines Technologieprojekt. Sie ist ein fortlaufender Veränderungsprozess von Technologie, Prozessen, Menschen und Organisationen.
Die KI kann die wesentlichen Aspekte dieses Prozesses schnell zusammenfassen und miteinander verbinden. Die Fachliteratur liefert jedoch die theoretischen Modelle und unterschiedlichen Perspektiven, mit denen diese Aussagen strukturiert und kritisch eingeordnet werden können.
Meine eigene berufliche Erfahrung ergänzt wiederum die praktische Ebene. Sie zeigt mir, dass zwischen einer theoretisch verfügbaren Technologie und einer tatsächlich funktionierenden digitalen Lösung häufig ein erheblicher Unterschied liegt.
Gerade deshalb halte ich die Kombination aus Literatur, eigener Erfahrung und KI für sinnvoll: Die Literatur schafft den theoretischen Rahmen, die eigene Praxis zeigt die Realität und die KI eignet sich gut dazu, beide Perspektiven miteinander zu vergleichen.